Den richtigen Rauchmelder kaufen

Funktion und Zweck von Rauchwarnmeldern

Zunächst an dieser Stelle die Auflösung des Rätsels:
“Was unterscheidet den Rauchwarnmelder vom Rauchmelder?”

Die oft verwendete Bezeichnung “Rauchmelder” ist tatsächlich nicht ganz richtig. Als Rauchmelder werden Sensoren bezeichnet, die als Teil einer Brandmeldeanlage Rauch detektieren, aber selbst keinen Alarm schlagen. Diese Brandmeldeanlagen werden zum Beispiel in Gewerbeimmobilien und Hotels benötigt und kosten meist mehrere Tausend Euro.

Heim-Rauchmelder DIN 14604

Rauchwarnmelder nach DIN EN 14604 hingegen haben neben dem Sensor für die Erkennung von Rauch auch eine eingebaute Alarmeinrichtung. Die Geräte funktionieren völlig selbständig und werden über eine Batterie mit Strom versorgt. Für “Wohnhäuser. Wohnungen und Räume mit wohnungsähnlicher Nutzung” werden fast ausnahmslos Rauchwarnmelder eingesetzt. Da sich “Rauchmelder” im Sprachgebrauch durchgesetzt hat, nennen wir die Geräte auch hier so.

Im Gegensatz zu einer Brandmeldeanlage, die meist direkt die Feuerwehr alarmiert und neben dem Schutz der Personen auch das Gebäude selbst vor Schäden schützen soll, hat der Rauchwarnmelder nur einen Zweck:

Ein Rauchwarnmelder soll die Personen, die sich in der Wohnung aufhalten, so schnell wie möglich nach Ausbruch eines Brandes warnen und ihnen die Zeit verschaffen, Maßnahmen zu ergreiben und sich selbst zu retten.

Erwiesenermaßen nimmt ein schlafender Mensch den Brandgeruch nicht wahr, wird also nicht davon wach. (Die meisten Tiere übrigens auch nicht, das Argument “Mein Hund wird mich schon wecken” fällt also weg.) Berücksichtigt man außerdem, dass bereits zwei Lungenzüge giftigen Brandrauchs zur Bewusstlosigkeit führen und zwei weitere schon zum Tod, wird klar wie wichtig jede Sekunde ist.

Testberichte

Die Stiftung Warentest hat in der Ausgabe 01/2016 (Erscheinungsdatum 22.12.2015) nach drei Jahren wieder einen Testbericht über Rauchwarnmelder veröffentlicht. Getestet wurden 14 Rauchwarnmelder-Modelle mit fest eingebauter 10-Jahres-Batterie, davon vier mit Funkvernetzung. Das Fazit lautet: “Gute Melder ab 20 Euro – der teuerste im Test versagt”

Die Spitzenplätze der nicht vernetzten Rauchwarnmelder nehmen –ähnlich wie vor drei Jahren– das Modell Ei650 von Ei Electronics und das Modell HDv sensys von Detectomat ein. Drei weitere stand-alone-Geräte erhalten die Note “gut”, zwei die Note “befriedigend”.

Von den getesteten funkvernetzten Rauchwarnmeldern ist es wiederum das Modell von Ei Electronics (Ei650W mit Funkmodul Ei650M), das als bestes abschneidet.

Eigentlich unvorstellbar: Ausgerechnet das teuerste Gerät von einem namhaften Hersteller bekam die Note “mangelhaft”, weil es im Test den Brandrauch nicht erkannt hat.

Testberichte von Magazinen usw. haben oft den Ruf, nicht ganz objektiv zu sein. Auch ist meist nicht klar, wer und nach welchen Kriterien hier getestet hat. In der Ausgabe 6/2012 der Zeitschrift “Heimwerker-Praxis” wurden zum Beispiel sechs mehr oder weniger bekannte Rauchmelder getestet – alle mit einem Urteil zwischen 1,3 und 1,7. Das bringt in Bezug auf die Kaufentscheidung nicht viel, zumal 35% der Bewertung die Bedienungsanleitung betreffen. Letztere ist schon wichtig, sagt aber über die Qualität des Gerätes selbst nur wenig aus.

Der Makel, eine nur geringe Vergleichbasis für einen Test heranzuziehen, betrifft alle diese Tests. Eine objektive Qualitätsprüfung ist das so genante “Q”-Siegel (siehe unten). Hier hat jeder Hersteller die Möglichkeit, sein Gerät durch ein anerkanntes Prüfinstitut nach den erweiterten Kriterien der vfdb-Richtlinie 14-01 testen zu lassen. Ergebnis ist allerdings nur “bestanden” oder eben nicht. Es werden keine Noten vergeben.

Qualitätsrauchmelder

Seit 2008 dürfen nur noch Rauchwarnmelder auf den Markt gebracht werden, die nach EN 14604 geprüft sind und entsprechend mit CE-Kennzeichnung inkl. Zertifikatsnummer und der Angabe „EN 14604“ versehen sind. Die Einhaltung der Norm muss von einem unabhängigen Prüfinstitut (in Deutschland zum Beispiel vom VdS) getestet worden sein. Käufer von Rauchwarnmeldern können von daher sicher sein, dass der Mindeststandard an Sicherheit bei jedem Gerät eingehalten ist.

Rauchmelder CE-Kennzeichnung

Allerdings beinhaltet diese CE-Kennzeichnung keine besonderen qualitativen Aussagen, sondern besagt nur, dass das Produkt nach EN 14604 geprüft ist und damit im Europäischen Binnenmarkt frei gehandelt werden darf. Feuerwehren und Fachverbände empfehlen jedoch, beim Kauf unbedingt auf Qualitätsgeräte zurückzugreifen. Grund dafür ist nicht unbedingt, dass “Billig-Geräte” nicht funktionieren würden, sondern vielmehr dass viele dieser Geräte wegen häufiger Fehlalarme vom genervten Bewohner nach einiger Zeit einfach deaktiviert werden, in der Schublade verschwinden und damit nutzlos sind.

Rauchwarnmelder Q-Logo

In Deutschland wurde 2011 das so genannte “Q”-Siegel für Rauchmelder eingeführt, die nach einer erweiterten Richtlinie hergestellt und geprüft wurden. Auf der Internetseite www.qualitaetsrauchmelder.de sind die Geräte mit “Q”-Siegel vorgestellt.

Folgende Leistungsmerkmale sind für das “Q”-Siegel ausschlaggebend:

  • Geprüfte Langlebigkeit und Reduktion von Falschalarmen
  • Erhöhte Stabilität, z. B. gegen äußere Einflüsse
  • Fest eingebaute Batterie mit mindestens 10 Jahren Lebensdauer

Funkrauchmelder vs. Stand-Alone-Geräte

In manchen Fällen ist es sinnvoll, den Alarm eines auslösenden Rauchwarnmelders auch in einem anderen Zimmer zu hören. Bestes Beispiel ist der Rauchmelder im Kinderzimmer, der mit dem Melder im Schlafzimmer der Eltern gekoppelt ist. Wird im Kinderzimmer Rauch festgestellt, geben beide Geräte einen Alarmton ab. Kinder neigen dazu, sich vor einem Brand “zu verstecken” anstatt sich in Sicherheit zu bringen – vor allem dann, wenn sie den Brand vielleicht im kindlichen Forschungseifer selbst ausgelöst haben.

In Einfamilienhäusern kann auch die Vernetzung von Rauchwarnmeldern im Keller oder Dachgeschoß mit den Geräten im Wohnbereich sinnvoll sein. Unbedingt erforderlich ist eine Vernetzung des Rauchwarnmelders mit einer zusätzlichen Warneinrichtung für hörgeschädigte Bewohner, die den Alarmton nicht hören können. Hier stehen zum Beispiel Blitzleuchten und Vibratorpads, die im Kopfbereich des Bettes platziert werden, zur Verfügung.

Eine Vernetzung ist bei nachträglich eingebauten Rauchwarnmeldern meist nur per Funk möglich. Die “Drahtvernetzung” kann bei Neubauten kostengünstiger sein, allerdings sollte das genau ausgerechnet werden.

Für die Funkvernetzung muss in die Rauchwarnmelder ein zusätzliches Funkmodul eingebaut werden. Zu empfehlen ist hier in jedem Fall ein Funkmodul mit einer eigenen Batterie, damit die Funktion des Rauchwarnmelders selbst nicht beeinträchtigt wird.

Die Anschaffungskosten für funkvernetze Rauchwarnmelder liegen etwa beim drei- bis vierfachen eines Stand-Alone-Gerätes. Das legt die Überlegung nahe, wie wichtig die Vernetzung im Einzelfall tatsächlich ist. Eventuell müssen nicht alle Melder miteinander vernetzt sein. Die Bauordnungen in Deutschland und die österreichische OiB-Richtlinie sehen keine Vernetzung vor.

Preise

Was darf ein Rauchmelder kosten und was muss er kosten? Im Baumarkt und im Internet werden Geräte für unter 10,- Euro angeboten. Abzüglich Transportkosten aus Fernost und Händlermarge müssen solche Geräte für 2,- Euro hergestellt worden sein. Da wird leicht klar, dass eine Einzelprüfung im Rauchkanal, wie sie bei verantwortungsvollen Herstellern üblich ist, nicht stattgefunden haben kann. Wenn Sie einen solchen Rauchwarnmelder haben, nehmen Sie am besten die Batterie raus (das wertvollste am Gerät) und führen den Rest der fachgerechten Entsorgung zu.

Wenn Sie allerdings jetzt erst vor der Kaufentscheidung stehen, überlegen Sie, was Ihnen ihre Sicherheit und die ihrer Familie wert ist!

Rauchwarnmelder, die über eine fest eingebaute 10-Jahresbatterie verfügen und den erhöhten Qualitätsstandards entsprechen kosten mindestens 20,- bis 25,- Euro. Für ein ansprechendes Design kommen meist noch 5,- bis 10,- Euro drauf.

In einer mittelgroßen Wohnung oder einem kleinen Einfamilienhaus werden in der Regel fünf bis sechs Rauchwarnmelder benötigt – das macht 100,- bis 150,- Euro. Über die Lebensdauer von 10 Jahren ist das etwa 1,- Euro pro Monat. Sollen drei der Melder funkvernetzt sein, kommen noch mal ca. 150,- Euro dazu – das macht dann insgesamt etwa 2,- Euro pro Monat. Gibt’s da was zu überlegen?

Wo kaufen?

Naheliegend ist, wenn es um ein “Sicherheitsgerät” geht, jemanden zu fragen, der sich damit auskennt. Das sind üblicherweise schon mal nicht der Verkäufer im Baumarkt oder die Verkäuferin im Diskounter (Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel).

Mit Feuer und Rauch kennen sich Mitglieder der Feuerwehr aus – und natürlich Ihr Schornsteinfeger, Rauchfangkehrer oder Kaminkehrer. Viele Feuerwehrleute und Schornsteinfeger haben sich mit dem Thema “Rauchwarnmelder” intensiv beschäftigt und wissen wo ein Rauchwarnmelder montiert werden muss. Viele bieten qualitativ hochwertige Geräte einschließlich Montage und der jährlichen Wartung an.

Wer sich zutraut, die Geräte selbst zu montieren, kann unter Umständen auf ein Angebot im Internet zurückgreifen. Die Konkurrenz ist hier sehr groß und die Preise dadurch günstig. Betreiber von Webshops sind allerdings in der Regel reine Händler und verkaufen das Produkt, bei dem der Verdienst am größten ist. Nur wenige haben sich auf Brandschutzprodukte spezialisiert und bieten umfangreiche Informationen zu den Geräten.

Einer der zuverlässigsten Rauchwarnmelder ist der Detectomat HDv sensys, der von der Stiftung Warentest im Heft 1/2016 mit GUT getestet wurde. Im Webshop “Brandschutz-Zuhause” bekommen Leser von Rauchmelderpflicht.eu das Gerät mit 10% Rabatt.

Lesen Sie auch die Tipps für Eigentümer, Mieter, Handwerker und Hausmeister



11 Kommentar auf “Den richtigen Rauchmelder kaufen
  1. frank sagt:

    was geschieht mit einem Rauchwarnmelder, der über eine fest eingebaute 10-Jahresbatterie verfügt nach den 10 Jahren (wenn die Batterie verbraucht ist) ????

    • Lars sagt:

      Rauchwarnmelder – auch solche bei denen die Batterie gewechselt werden muss – sollten nach 10 Jahren ersetzt werden, da die Bauteile (insbesondere die Optik zur Raucherkennung) nicht mehr zuverlässig funktioniert.

  2. Silvio Hofmann sagt:

    Wenn ich den selbst anmontiere,welcher Gutachter nimmt den dann ab,an wen muss ich mich wenden?So das die Hausverwaltung auch damit einverstanden ist,und ich den Pasus:Moderinsierung jährlich umgehe in meinen Nebenkosten.Denn warten kann ich den auch selbst,wenn ich ihn montiere.Ist für die nur wieder eine zusätzliche Geldquelle.
    Danke für Eueren Tipp
    Silvio

  3. Markus Z. sagt:

    Welcher Rauchmelder ist für den Dachboden geeignet?
    (Hitzeetwicklung im Sommer)

    Dank im Voraus, Max.

    • Lars sagt:

      Der Detectomat HDv sensys ist für Betriebstemperaturen von -10°C bis +60°C bei einer maximalen Luftfeuchtigkeit von 95% (nicht kondensierend) geeignet. Der Temperaturbereich sollte ausreichend sein. Kritisch ist wahrscheinlich eher der Staub, der auf eine Dachboden häufig vorkommt und zu Fehlalarmen führen kann.

      Der HDv sensys ist allerdings nicht vernetzbar. Ein Rauchwarnmelder auf dem Dachboden nutzt wenig, wenn man sein Alarmsignal nicht hört. Die Weiterleitung des Alarmsignals in den Wohnbereich kann also sinnvoll sein. Für die Umgebungsbedingungen geeignet ist auch der Ei Electronics Ei650, der als Ei650W durch ein zusätzliches Funkmodul vernetzbar ist.

  4. Brosowski,Dieter sagt:

    Ich hatte schon vor Jahren sicherheitshalber einen Rauchwarnmelder im Wohnzimmer installiert und ihn immer mit einem Akkublock betrieben. Nun soll das aber nich richtig und auch nicht gut sein. Warum?
    Grüße
    D.Bro!

    • Lars sagt:

      Jeder funktionierende Rauchwarnmelder in einer Wohnung ist besser als keiner. “Nicht richtig und nicht gut” ist relativ. Ein einzelner Rauchwarnmelder im Wohnzimmer, kann bei einem Brand eventuell nicht die schlafenden Bewohner im Schlafzimmer wecken. Sinnvoll (und nach Bauordnungen der Länder vorgeschrieben) sind daher Rauchwarnmelder in Schlafräumen, Kinderzimmern und Rettungswegen.

      Wird die Batterie im Rauchwarnmelder regelmäßig gewechselt, spricht auch nichts gegen ein Gerät mit Batterien. Viele Bewohner machen das aber nicht rechtzeitig. Die passenden Batterien sind zum Beispiel gerade nicht vorhanden, wenn der Rauchmelder wegen schwacher Batterie anfängt zu piepen. Der nervig piepende Melder wird dann kurzerhand abgebaut. “Besser” und komfortabler sind von daher gesehen Rauchwarnmelder mit fest eingebauter Langzeit-Batterie, die über die gesamte Lebensdauer des Melders von 10 Jahren nicht gewechselt werden muss.

    • Swen sagt:

      Weil ein Akku eine schlechtere Entladekurve hat als Batterien bezogen auf die
      Dauer von 2 Jahren und mehr.

  5. Jürgen Müller-Manzke sagt:

    Kann ein Rauchmelder neben der Funktion der Alarmmeldung auch dafür eingesetzt werden, um ansonsten verschlossene Türen (z.B. in einer Tiefgarage) bei Rauchentwicklung automatisch zu öffnen und damit einen Fluchtweg freizugeben? Und wer wäre der Partner für solch eine Anlage?

    Danke für Ihre Antwort im Voraus!

    Gruß

    • Lars Inderthal sagt:

      Technisch ist das möglich. In ein System von funkvernetzten Rauchwarnmeldern kann ein Relais-Modul (Beispiel) integriert werden, das bei Alarm einen Türöffner ansteuert.

      ABER: Das Öffnen von Türen im Brandfall ist meistens garnicht sinnvoll, weil das Feuer dadurch ggf. mit Sauerstoff versorgt wird und sich schneller ausbreitet. Ganz abgesehen vom Rauch, der bei geöffneten Türen die Fluchtwege unbrauchbar macht.

      Fluchtwege dürfen generell nie versperrt sein. Eine wie auch immer geartete Automatik zum Entsperren der Türen kann aus vielen Gründen ausfallen.
      Eventuell könnten Sie mit erheblich geringerem Aufwand eine Griffhaube (Beispiel) oder ein Alarmsystem an den Fluchtüren anbringen, das beim Öffnen auslöst (Beispiel).

      In der Hoffnung, geholfen zu haben.
      Lars

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